Planetenspatzen

Als ich noch in der Schule war, habe ich viel geschrieben. Ich habe in meinen Geschichten gelebt und sie nur mit einer meiner besten Freundinnen geteilt. Wir haben unsere Geschichten gegenseitig weitergesponnen und so Stunden, Tage und Wochen verbracht.

Meine Lehrer waren von meinem Ausdruck nicht sonderlich begeistert und der Chefredakteur der Lokalzeitung, für die ich liebend gern geschrieben hätte, von meiner Schreibe ebenso wenig. Selbst im letzten Jahr wurde mir eine Liste von Wörtern vorgelegt, die ich nicht mehr benutzen dürfe. Ja, vielleicht taugt meine Schreibe nicht für jedeN und ja, vielleicht sollte ich das einfach akzeptieren.

Aber ich bin dankbar, dass ich auch auf ein paar Menschen im Leben getroffen bin und immer wieder treffe, die meine kleinen Artikel veröffentlicht und mir Praktika ermöglicht haben. Und am Ende hatte ich sogar den Mut, dieses Blog ins Leben zu rufen, aus Liebe zu Sprache, Büchern und Kindern. Und ich benutze die verbotenen Worte, um meinen Texten etwas von mir mitzugeben – Leben einzuhauchen und euch eine Stimmung zu vermitteln.

Warum schreibe ich darüber? Nun, Andrea Karimé, die „Planetenspatzen“ und mehr als ein Dutzend weiterer Kinderbücher verfasst hat, wurde wohl auf dem Gymnasium ähnlich gedämpft. Anders als ich mich für viele Jahre, hat sie sich aber nicht beirren lassen, denn „die Liebe zum Wort war stärker“, wie sie auf ihrer Website schreibt. (Schaut euch auch ihr Blog an!)

Diese Frau faszinierte mich vom ersten Moment an, weil sie das ausstrahlt und lebt, was ich mir nie erlaubt habe, glaubte ich doch den Worten der anderen mehr, als meiner inneren Stimme. Ich feiere Andrea Karimé dafür, dass sie vor allem den kleinen Menschen, aber auch Erwachsenen Mut macht, sich im Schreiben auszutoben und dass sie sie im „vergnüglichen Schreiben“ unterrichtet. Ja, sie gibt ihre Schreibkurse bereits für 4-Jährige. Toll!

Nun zum Buch:

„Planetenspatzen“ holt genau da ab, wo die Leseratte gerade steht. Sie erfindet eigene Sprachen, dichtet ihre wundervolle Quatschlyrik und kreiert Fantasiewörter. Ihren vor Freude glänzenden Blick müsstet ihr dann sehen – göttlich!

In „Planetenspatzen“ verbindet Andrea Karimé Wörter aus unglaublich vielen unterschiedlichen Sprachen zu assoziativen Wortspielereien oder bildet damit neue Fantasiewörter. Die Sprachen sind dabei nicht willkürlich gewählt – es sind die häufigsten EinwanderInnen Sprachen in Deutschland! Da sind Sprachen dabei, von denen ich bis heute noch nie gehört habe und die das Buch so wertvoll machen. Kanntet ihr etwa Tigrinia aus Eritrea oder Amazigh-Tashelit bzw. Amazigh-Tamazight aus Marokko oder Kurmandschi, das im Irak, Iran oder der Türkei gesprochen wird? Es wird vielleicht einmal Zeit, sich mit unseren Mitmenschen über ihre Landessprachen zu unterhalten, oder? Da gibt es sicherlich viel zu entdecken und zu bestaunen und vielleicht entstehen eure eigenen, gemeinsamen Wortspiele.

Manchmal stehen nach den Gedichten noch ganz wundervolle Lesehinweise in Klammern. Beim Zungenbrecher-Klatschspiel „Matschkakatze“ solle man sich doch bitte am Schluss gegenseitig auf die Wangen watschen. Das Gedicht über Lisa Litza solle man, weil thematisch passend, mit Lutscher im Mund lesen. Beim Gedicht „Ich will“ steht da „lesen und zwischendurch leise lachen, am ende laut“. Und „Schokohund“ soll ich mit einem Schokoladenstück auf der Zunge lesen. Hmmm, lecker!

Ich liebe dieses Buch, welches vor Freude strotzt! Vielleicht liegt es auch daran, dass ich den klang fremder Sprachen sehr mag. – Ganz besonders schön finde ich den Singsang des Farsi. Da werden Erinnerungen an einen sehr lieben Arbeitskollegen und seine wunderbare Frau wach, in deren Ein-Raum-Wohnung ich oft zu Besuch war. Ich kann sogar noch die Gewürze riechen und die Reiskruste schmecken, die wir geteilt haben.

Aber auch die Leseratte hat bei jedem Gedicht gekichert und entzückt aufgequiekt, wenn etwas Unvorhergesehenes passierte oder so schöne, lautmalerische Worte aneinandergereiht wurden.

Die Bilder der wiener Illustratorin und Autorin Raffaela Schöbitz unterstreichen die Absurditäten der Gedichte auf eine sehr bunte und kindgerechte Weise. Sie sind nicht zu überladen und laden ein, mit den Augen jedes Detail aufzusaugen, welches sich in ihnen verbirgt. Nicht nur Kinder werden hier animiert, die Gedichte in den Bildern zu erkennen, sondern diese auch weiter zu spinnen.

Ich danke dem Picus Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars!

Andrea Karimé / Raffaela Schöbitz (2022): Planetenspatzen. Wien: Picus Verlag.

ISBN: 978-3-7117-4025-0

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