Die Elefanteninsel

Cover: Elefant auf Fels im Wasser

Spätestens seit Tom und Jerry wollte ich wissen, wie es in einem Mauseloch aussieht. Wie richten sich die Mäuse ihre Wohnungen ein? Ist es da gemütlich? Worin schlafen sie? Wie viele Zimmer haben sie da? Und weil es mir niemand erklären konnte, begann ich selbst, Wohnungen für Mäuse zu malen mit gemütlichen Betten in Streichholzschachteln, Duschen in Dosen etc. Ich hatte sogar eine Falle entworfen, damit die Katze nicht durchs Mauseloch rein greifen kann. Warum ich euch das erzähle erfahrt ihr ganz am Ende dieser Rezension.

Der aracari Verlag hat uns „Die Elefanteninsel“ von Leo Timmers zugeschickt. Dieses Buch hat hier bei uns einige Kontroversen aufgeworfen und darum habe ich diese Buchvorstellung vorgezogen. Auch weil mich eure Meinung dazu interessiert.

Es beginnt ziemlich düster – mit einem Unfall auf hoher See:

Eines Tages fiel Fanti ins Meer. 
Die Wellen trugen ihn Kreuz und quer.

Doch der kleine Elefant hat Glück. Ersten hat er einen Rüssel, mit dem es sich während eines Tauchgangs gut atmen lässt und zweitens findet er einen kleinen Fels mitten im Meer. Auf diesen stellt er sich und wartet auf Rettung. – Allein. Mitten im schwarz-grauen Meer mit ganz viel Zeit und Langeweile.

Nun hat er aber Glück und diverse Tiere kommen mit ihren Booten gefahren und bieten ihm an, an Bord zu kommen und seinen Fels zu verlassen. Darunter sind eine Maus, ein Hund oder ein Krokodil.

Und entsprechend groß sind diese Bote der Tiere auch. Fanti zerstört sie aus Versehen alle, bei dem Versuch einzusteigen. Er ist eben ein großes Tier. Doch da Not erfinderisch macht, nutzen sie immer wieder die Materialien der zerstörten Boote, um die Insel zu vergrößern. So haben alle Platz und nicht nur das – sie haben auf ihrer „Elefanteninsel“ richtig Spaß.

Das spricht sich schnell herum und so pilgern sehr viele andere Tiere mit ganz tollen und außergewöhnlichen Booten zur „Elefanteninsel“, um dort ein neues Leben zu beginnen.

Das kleine Kliff wurde sehr bekannt
und von allen "Die Elefanteninsel" genannt.

Und was soll ich sagen, die Insel, die sie sich erschaffen, ist einfach traumhaft schön! Dabei sind meine kleine Leseratte und ich uns einig. Mein inneres und mein eigenes Kind wollen, dass wir ganz schnell ein Boot besorgen und flux zur Insel aufbrechen. Das ist ja wohl klar! Da herrscht so viel Einklang, Wertschätzung und Spaß. Es ist bunt. Es gibt Musik und Waffeln. Ja, WAFFELN! (Wie lecker!) Sie haben so viel Spaß mit einem Riesenrad, einem Aufzug und einer Tunnelrutsche… Es ist perfekt.

Aber leider endet das Buch hier nicht. Ihr wisst schon, „wenn es am schönsten ist“ und so… Nein, es zieht ein Sturm auf. Und dieser Sturm brach, ganz im Ernst, unser Herz.

Eines Tages wurde es dunkel und kalt.
Ein Sturm kam auf, laut und mit Gewalt...

Keine Angst, das Buch hat im Prinzip ein Happy End. Nur eben nicht mit dieser grandios perfekten Trauminsel. Wo ich nur bekümmert war, aber immerhin zufrieden, dass es eine neue Insel gibt, da war meine Tochter so verzweifelt, dass sie mich bat, das Buch zurück zu schicken… Wow, das habe ich noch nie erlebt.

Doch ich hatte einen Plan, der zumindest eine Zeit lang gut funktioniert hat. Meine eigene Kindheit drängte sich in mein Bewusstsein und so zeichneten wir uns das Ende neu. Naja, wir versuchte, die Insel so einzurichten, dass es allen Tieren gefallen würde. – Es gab das Riesenrad, einen Aufzug, Hängematten, sehr viele Klos (die scheinen ungemein wichtig zu sein) und Waffeln – natürlich gab es sie. Wir versuchte unser Bestes, doch die Leseratte war und ist nicht zufrieden…

Was also sage ich am Ende zu diesem Buch? Vielleicht ist es für Kinder ab 3 Jahre nicht geeignet. Was mich wirklich irritiert, da sie „Rotkäppchen“ so klasse fand. Aber ich finde es wunderschön. Ja, das Buch hätte mit der perfekten Insel enden sollen. Das wäre ein harmonisches Buch und alle wären glücklich. Aber das Leben ist eben nicht immer rosarot und darum gefällt mir diese realistische Geschichte eben.

Die Bilder sind wirklich einmal ganz anders – eine Mischung aus bedrückend düster und zirkus-bunt. Der Stil, in dem der Niederländer Leo Timmers zeichnet erinnert an eine Collage und ist durch die sichtbaren Pinselstriche so unglaublich lebendig. Die Reime sind kurz und ergänzen die Bilder. Das ist eine sehr ausgewogene Mischung. Auch die vielen weißen Flächen in denen der Text zu finden ist passen perfekt zu denn intensiven Zeichnungen. Das Buch ist stimmig, ja im Grunde harmonisch.

Was bei mir zurück bleibt ist diese bunte Mischung aus Freude, Trauer, ganz viel Hoffnung und Freundschaft. Manchmal kann man eben die äußeren Umstände nicht beeinflussen, aber wenn man mit Freunden zusammen ist, dann kann man alles schaffen und das Beste daraus machen.

Nun bin ich wirklich sehr gespannt auf eure Meinung zu diesem Buch. Kennt ihr es und wenn ja, was ist euer Eindruck und der Eindruck eurer Kinder? Hattet ihr schon einmal so ein Erlebnis mit einem Kinderbuch, dass eure Kinder es nicht mehr anschauen wollten? Ich bin sehr gespannt auf eure Nachrichten!

Leo Timmers „Die Elefanteninsel“ (2020). Zürich: aracari verlag.

(ISBN: 978-3-907114-18-6)

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