Kaninchentango

Buchcover. Kaninchen steht am See und betrachtet Mond.

Tanzen… Das ist eines der Dinge, die ich nie gelernt habe, aber unglaublich gern tue, wenn niemand zusieht. Und seitdem die kleine Leseratte da ist, habe ich sogar eine ganz fähige Tanzpartnerin gefunden. Wir fliegen dann lachend von der Küche durch das Wohnzimmer ins Kinderzimmer und zurück. Das sind diese Momente, in denen alles andere unwichtig wird.

Ich habe hier, ganz passend zum kommenden Osterfest, ein wunderschönes Tanzbuch liegen. Ostern und Tanzen?!? Nun ja, es geht in diesem Buch aus der Kategorie „Poesie der Stille“ um ein ganz besonderes Tanzpaar – zwei Kaninchen.

Alternatives Buchcover

Das Buch „Kaninchentango“ von Daan Remmerts de Vries und Ingrid & Dieter Schubert erzählt die Geschichte von einem Kaninchen-Mann, welcher an einem See mit glatter, spiegelnder Oberfläche sitzt und sich offenbar etwas langweilt. Er wird bei seinem Sinnieren jäh unterbrochen durch eine freche Kaninchen-Dame, die er sogleich zum Tanz auffordert. Es folgt ein wilder und gegen Ende auch sehr romantischer Tanz bis in die späte Nacht hinein, bis sich die beiden unterm Sternenzelt verabschieden. Das Buch endet, wie es begonnen hat – mit einem Kaninchen-Mann, der am See sitzt. Nun jedoch glücklich den Mond betrachtend.

Verändere hier selbt einmal die Perspektive!

Aber ist das tatsächlich schon das Ende? Ist nicht vielmehr jedes Ende auch ein neuer Anfang? Nichts vermag es deutlicher zu machen, als dieses wunderbare Buch. Das Besondere ist hier nämlich, dass man das Buch einfach umdrehen und die Geschichte weiterlesen kann.

Wer richtig hinsieht, erkennt, dass die sich im See spiegelnde Szene von der stattfindenden Szene unterscheidet. Es passieren ganz unterschiedliche Dinge, die erst auffallen, wenn ich mich dazu entschließe, genau hinzusehen und das Buch zu drehen, um die Szenen genau zu untersuchen.

Macht den Versuch selbst und seht, was passiert, als der Kaninchen-Mann seine Herzensdame noch einmal aufsucht. Ich kann nur soviel verraten: Es wird wilder getanzt, als zuvor und zwar bis die Sonne aufgeht.

Verändere hier selbt einmal die Perspektive!

Dieses Buch aus dem aracari verlag ist wirklich Poesie, wenn auch keine, die zur Ruhe und Entspannung anregt. Dafür passiert einfach zu viel. Die farbenfrohen Zeichnungen sind liebevoll und dynamisch und regen zum philosophieren an. Was geschieht hier eigentlich? Sind die zwei Seiten des Sees vielleicht die unterschiedlichen Wahrnehmungen der Kaninchen? Wir alle erleben ja ein und die selbe Situation oftmals unterschiedlich. Oder ist es, wie ich geschrieben habe, die Fortsetzung des Tanzes bzw. der Kaninchenromanze? Wer vermag das schon zu sagen?

Da es sich hierbei um ein Buch ohne Text handelt, seid ihr ganz frei, euch eure eigene Geschichte zu konstruieren. So kann jedes Mal jemand anderes die Geschichte erzählen und sie werden sich nie gleichen. Allein schon der Unterschied der Geschichten, die uns unsere Kinder mit dem Buch erzählen ist gravierend zu denen, die wir unseren Kindern erzählen. Das ist das Tolle an der Poesie der Stille – sie erschafft Unikate. Jedes Mal wieder.

Verändere hier selbt einmal die Perspektive!

Wie wäre es also, wenn ihr zu Ostern einmal eine heiße Sohle auf dem Parkett hinlegt und mit den Kaninchen Tango tanzt? Oder macht es wie wir: Nehmt euren nächsten Angehörigen und ab geht’s! Also unsere Schuhe sind geputzt. Einzig den Esstisch müssen wir noch etwas zur Seite schieben…

Schreibt mir gern, wie der Tango euer Ostern verändert hat. Tanzen eure Kinder auch so gern? Was oder wie tanzt ihr am Liebsten?

Daan Remmerts de Vries/ Ingrid & Dieter Schubert (2018): Kaninchentango. Zürich: aracari verlag.

(ISBN: 978-3-907114-07-0)

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