Im Frühling wie im Winter

Blumentopf mit Frühlingsblumen und Junge mit blauer Wintermütze. Auf dem Topf steht geschrieben "Im Frühling". Auf der Mütze steht "wie im Winter" geschrieben. Links neben dem Kopf des Jungen ist zu lesen: "Kindergedichte"

Ich finde es immer wieder faszinierend, wie die Gedichtbücher ihren Weg zum Wal im Kakao finden. Zum einen ist es meine eigene Familie, die diese Schätze aus den Untiefen von Kartons oder Schränken hebt. Zum anderen sind des die liebenswerten Verlage, die mir ihre wunderbaren Bücher zur Verfügung stellen. Und dann sind es meine wunderbaren Freunde, die sich durch den Wal im Kakao an ihre eigene Kindheit oder Zeit als junge Eltern erinnern und mir ihre Bücher zum Vorstellen überlassen.

Bei diesem kleinen Büchlein handelt es sich um eine Gabe einer wundervollen Freundin aus Halle. Als sie die Kinderbücher ihrer schon erwachsenen Kinder durchsah, fiel ihr der Gedichtband „Im Frühling wie im Winter“ in die Hände und sie dachte an mein kleines Buchprojekt. Dafür bin ich ihr sehr dankbar, denn dieses Buch aus der Reihe „Die kleinen Trompeterbücher“ ist eine wunderbare Sammlung verschiedenster Kindergedichte.

Von den 1950er Jahren an bis 1990 veröffentlichte der Kinderbuchverlag Berlin um die 200 dieser kleinen Bücher (15 x 10,5 cm) für Kinder ab 7 Jahre. An dieser Stelle möchte ich gleich sagen, dass die Altersangabe in unserem Fall hier vernachlässigt werden kann, da sich diese Gedichte wirklich auch schon für kleinere Kinder eignen.

Dieser Gedichtband besticht mit seiner Sammlung von 36 Naturgedichten von Heinrich Seidel, Hoffmann von Fallersleben, Robert Reinick oder etwa Johannes Trojan u.a. Gerade Kindergärten finden hier einen Schatz an jahreszeitenspezifischen Gedichten, die sich gern in Morgenkreisen einbringen lassen und die die Kinder zum Lachen bringen. Natürlich eignen sich nicht alle Gedichte für die Kleinen, wie ihr in meinem Gedicht-Highlight unten sehen könnt.

Einige der Gedichte sind mit Bildern illustriert. Dabei handelt es sich um sehr einprägsame Tuschezeichnungen auf rosarotem Hintergrund. Sie sind reduziert auf das Wesentliche und begleiten die Gedichte mehr, als dass sie sich in den Vordergrund drängen.

Ein Highlight für meinen kleinen Bücherwurm ist das Gedicht „Die Wohnung der Maus“ von Johannes Trojan.

Tuschezeichnung auf rosa Grund. EIne Maus in Kleid und Schürze kocht in ihrem Haus am Herd.
Ich frag die Maus:
"Wo ist dein Haus?"
Die Maus darauf erwidert mir:
"Sag's nicht der Katz, so sag ich's dir.
Treppauf, treppab,
erst rechts, dann links,
und dann geradeaus -
da ist mein Haus,
du wirst es schon erblicken!
Die Tür ist klein,
und trittst du ein,
vergiß nicht, dich zu bücken!"

Bei diesem kleinen Gedicht bietet es sich an, mit den Händen in die verschiedenen Richtungen zu zeigen und den Kindern damit einen Eindruck zu vermitteln, wie und wohin man sich bewegen kann.

Neben diesen Gedichten, die für jede Jahreszeit passen finden sich dort aber auch Gedichte wie: „Hinaus ins Freie“ von Heinrich Hoffmann von Fallersleben, „April“ von Heinrich Seidel, „Ein Lied von den grünen Sommervögeln“ von Friedrich Rückert oder etwa „Vom schlafenden Apfel“ von Robert Reinick. Letzteres ist später selbst als Buch veröffentlicht worden und wird zu gegebener Zeit hier beim Wal im Kakao vorgestellt werden. Es wartet schon geduldig im Bücherregal.

Ich persönlich amüsiere mich köstlich über Peter, dem im Wald übel mitgespielt wird und der sich im Gedicht „Peter und das Echo“ von Rudolf Löwenstein schrecklich in Rage redet.

Tuschezeichnung vor rosa Hintergrund. Ein schlecht gelaunter Junge mit lockigem Haar und hinter dem Rücken gehaltenen Händen steht da, umgeben von sich wiederholenden Worten: Warte, Peter, Affe, Ochse. Zu sehen sind weiterhin Fragezeichen.
Möcht wissen, wo der Kerl nur steckt,
der mich im Walde foppt und neckt?
Bald tönt's von rechts, von links dann her!
So wie ich rufe, ruft auch er.
Wenn ich dich krieg, na warte!
Warte...

Was sprichst du mit mir immerzu?
Du feiger Kerl, wie heißt denn du?
So wahr ich Peter heiß, aufs Wort!
Ich fasse dich und schlepp dich fort,
ob früher oder später!
Peter...

Sei still und sprich kein Wörtchen mehr,
sonst hol ich mir ein Schießgewehr,
und hab ich dich aufs Korn gefaßt,
so schieß ich dich vom höchsten Ast
herab mit meiner Waffe!
Affe...

Du schimpfest gar, du dummer Wicht!
Wahrhaftig, nein, das leid ich nicht!
Ich geh nicht eher hier vom Fleck,
bis ich gefunden dein Versteck,
daß ich mit dir mich boxe!
Ochse...

Es ist anzunehmen, dass Peter noch heute da im Walde hockt und sich aufregt über den frechen Menschen, der sich da im Dickicht versteckt. Hoffen wir einmal, er hatte genügend Proviant dabei.

Da es sich bei diesem kleinen Gedichtband um ein Erbe aus DDR-Zeiten handelt, ist es leider nur noch antiquarisch zu haben, oder ihr findet es in einem der offenen Bücherregale. Dort habe ich es vor einigen Wochen erspäht, zusammen mit anderen Büchern aus der Reihe „Die kleinen Trompeterbücher“.

Edith George / Eva-Johanna Rubin: Im Frühling wie im Winter. Berlin: Der Kinderbuchverlag. (Band 32)

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